Die neue Bedrohung: Rapserdfloh ohne Beize

Seit dem Wegfall insektizider Beizen (Neonicotinoide) ist der Rapserdfloh die größte Bedrohung für junge Rapsbestände. Der Schädling verursacht Lochfraß an Keimblättern und seine Larven fressen sich im Herbst in die Stängel – mit verheerenden Folgen für die Überwinterung.

Lochfraß
Adulte Käfer fressen Löcher in die Keimblätter. Schwache Pflanzen werden so stark geschädigt, dass sie den Winter nicht überleben.

Larvenfraß
Im Herbst legen die Käfer Eier am Stängelgrund ab. Die Larven fressen sich durch den Stängel und schwächen die Pflanze von innen.

Auswinterung
Geschwächte Pflanzen mit dünnem Wurzelhals überstehen den Frost nicht. Ertragsverluste von 30 – 50% sind keine Seltenheit.

Unsere Strategie: Wuchskraft als natürliches Insektizid

Sorten mit explosiver Jugendentwicklung wachsen dem Erdfloh buchstäblich davon. Der Schlüssel liegt in drei Eigenschaften:

Schneller Reihenschluss
Rasante Blattentwicklung beschattet den Boden zügig. Der Erdfloh meidet schattige, kühle Bestände und wandert ab.

Kompensationsfähigkeit
Leichter Lochfraß wird durch die enorme Wuchskraft problemlos überwachsen. Die Pflanze kompensiert den Schaden aus eigener Kraft.

Kräftiger Wurzelhals
Ein dicker, verholzter Wurzelhals vor dem Winter erschwert den Larven das Eindringen und sichert die Überwinterung.

Unsere Empfehlungen

DESPINA

Die Raps-Versicherung Nr. 1

  • Explosive Jugendentwicklung
  • Höchste Kompensationsfähigkeit bei Erdfloh-Fraß
  • Starke Winterhärte durch kräftigen Wurzelhals
  • Hohe Ertragsleistung auch unter Stress

zur Sorte
 

COLUMBIA

Vitalität für schwierige Bedingungen

  • Enorme Vitalität und Wuchskraft
  • Toleranz bei schwierigen Herbstbedingungen
  • Schnelle Bodenbedeckung gegen den Erdfloh
  • Zuverlässige Erträge auf allen Standorten

zur Sorte

FACHWISSEN: RAPSERDFLOH-MANAGEMENT OHNE INSEKTIZIDE BEIZE – DIE WUCHSKRAFT-STRATEGIE

Der Wegfall der neonicotinoiden Saatgutbeizen hat den Rapsanbau in Europa vor eine gewaltige agronomische Hürde gestellt. Der Rapserdfloh (Psylliodes chrysocephala), der früher durch die systemische Wirkung der Beize in der kritischen Auflaufphase sicher kontrolliert wurde, ist heute wieder der limitierende Faktor für einen erfolgreichen Rapsanbau. Chemische Flächenspritzungen im Herbst stoßen aufgrund zunehmender Pyrethroid-Resistenzen oft ins Leere. Die Strategie  der agaSAAT-Hybrid GmbH begegnet diesem Problem mit einer rein ackerbaulichen und genetischen Lösung: der kompromisslosen Selektion auf explosive Jugendentwicklung und Kompensationskraft.

Die Schadwirkung: Wenn der Käfer den Raps dezimiert

Der Schadverlauf des Rapserdflohs vollzieht sich in zwei Phasen, die beide potenziell bestandsbedrohend sind:

1. Der Lochfraß der Adulten (August/September): Die aus der Sommerdiapause erwachenden Altkäfer fliegen ab etwa 15 °C in die frisch auflaufenden Rapsbestände ein. Ihr Reifefraß verursacht den typischen siebartigen Lochfraß an den Keim- und ersten Laubblättern. Wenn dieser Fraß in eine Phase von Hitze und Trockenheit fällt, in der das Wachstum des Rapses ohnehin stagniert, kann der Blattflächenverlust zum vollständigen Absterben der Keimpflanzen führen (Kahlfraß).

2. Der Larvenfraß (Herbst/Winter): Nach dem Reifefraß und der Kopulation legen die Weibchen ihre Eier im Boden nahe der Wirtspflanze ab. Die schlüpfenden Larven bohren sich in die Blattstiele und fressen sich bis in das Herz (Vegetationskegel) der Rapspflanze vor. Dieser Minierfraß zerstört die Leitbündel, schwächt die Pflanze massiv und führt zu Rissen im Stängelgewebe. Diese Risse sind Eintrittspforten für Frost (Auswinterung) und pilzliche Erreger wie Phoma lingam. Ein starker Larvenbefall kann im Frühjahr zu Notreife, Lagerbildung und Ertragsverlusten von bis zu 50 % führen.

Die agronomische Gegenwehr: Wuchskraft als Insektizid-Ersatz

Da die chemische Kontrolle zunehmend versagt, muss die Rapspflanze selbst in die Lage versetzt werden, den Schädlingsdruck zu tolerieren. Dies gelingt nur durch eine spezifische Kombination aus Sortenwahl und Aussaatmanagement. Die agaSAAT-Hybrid GmbH hat Sorten wie DESPINA und COLUMBIA exakt auf diese Anforderungen hin gezüchtet und selektiert.

1. Das "Davonwachsen" (Escape-Strategie): Die kritischste Phase für den Raps ist das Stadium vom Keimblatt bis zum 4-Blatt-Stadium. Sorten mit einer extrem vitalen, geradezu "explosiven" Jugendentwicklung durchlaufen dieses empfindliche Fenster in kürzester Zeit. Sie bilden so schnell neue Blattmasse, dass der prozentuale Blattflächenverlust durch den Lochfraß der Altkäfer in die Bedeutungslosigkeit sinkt. Die Pflanze "wächst dem Käfer buchstäblich davon".

2. Mikroklima-Steuerung durch schnellen Reihenschluss: Der Rapserdfloh bevorzugt lückige, warme und sonnige Bestände. Wuchsstarke Sorten wie DESPINA sorgen für eine rasante Bodenbedeckung. Der schnelle Reihenschluss verändert das Mikroklima im Bestand dramatisch: Es wird kühler, schattiger und feuchter. Diese Bedingungen sind für den Erdfloh hochgradig unattraktiv, was den Zuflug bremst und die Eiablage reduziert.

3. Kompensationskraft und Stängelarchitektur: Gegen den Larvenfraß im späten Herbst hilft nur schiere Biomasse. Eine Pflanze, die vor dem Winter einen dicken, stark verholzten Wurzelhals (über 8 mm Durchmesser) und ein kräftiges Herz ausgebildet hat, kann die Fraßgänge der Larven wesentlich besser tolerieren. Die Leitbündel sind so stark ausgeprägt, dass der Nährstofftransport trotz Schädigung aufrechterhalten bleibt. Diese Kompensationskraft sichert das Überleben der Pflanze bei Kahlfrösten und garantiert einen vitalen Wiederaustrieb im Frühjahr.

Aussaatmanagement: Der Schlüssel zur Wuchskraft

Die genetische Wuchskraft der Sorte kann nur dann ihre volle Schutzwirkung entfalten, wenn das Aussaatmanagement stimmt. Der optimale Aussaattermin liegt in Norddeutschland zwischen dem 15. und 25. August, in Süddeutschland zwischen dem 20. August und 1. September. Eine zu späte Aussaat (nach dem 1. September) ist unter dem aktuellen Erdfloh-Druck ein gravierender Fehler, da die Pflanze vor dem Winter nicht mehr genügend Biomasse aufbauen kann, um den Larvenfraß zu kompensieren.

Die Saatstärke sollte bei 40 – 50 Körnern/m² liegen (Zielbestand: 30 – 40 Pflanzen/m² im Frühjahr). Auf Standorten mit bekannt hohem Erdfloh-Druck empfiehlt sich eine Erhöhung auf 55 Körner/m², um Ausfallverluste zu kompensieren. Die Saattiefe von 1,5 – 2 cm gewährleistet einen zügigen, gleichmäßigen Aufgang. Entscheidend ist auch die Düngung: Eine Startgabe von 30 – 40 kg N/ha (als KAS oder AHL) unmittelbar nach der Saat beschleunigt die Jugendentwicklung massiv und unterstützt die "Escape-Strategie" der Pflanze.

Monitoring und Schwellenwerte: Wann handeln?

Trotz wuchsstarker Sorten ist ein regelmäßiges Monitoring des Erdfloh-Zuflugs unerlässlich. Gelbschalen (Fangschalen) sollten ab der Aussaat im Bestand aufgestellt werden. Der Bekämpfungsrichtwert liegt bei 50 Käfern pro Gelbschale innerhalb von 3 Wochen oder bei mehr als 10 % Blattflächenverlust im Keimblattstadium. Bei wuchsstarken Sorten wie DESPINA und COLUMBIA kann dieser Schwellenwert allerdings höher angesetzt werden (15 – 20 % Blattflächenverlust), da die Kompensationsfähigkeit deutlich größer ist als bei schwächer wachsenden Sorten.

Für die Larvenkontrolle im Herbst gilt: Ein Probestich (20 Pflanzen ausgraben und Stiele aufschneiden) ab Mitte Oktober gibt Aufschluss über den Larvenbesatz. Mehr als 3 – 5 Larven pro Pflanze gelten als wirtschaftlich relevant. Allerdings zeigt die Praxis, dass Pflanzen mit einem Wurzelhalsdurchmesser von über 10 mm (typisch für DESPINA bei optimaler Aussaat) selbst 8 – 10 Larven pro Pflanze ohne signifikante Ertragseinbußen tolerieren. Die Sorte KENTUCKY ergänzt das Portfolio durch ihre besondere Winterhärte, die selbst bei starkem Larvenfraß ein sicheres Überwintern gewährleistet.

Integrierter Pflanzenschutz: Das Zusammenspiel der Maßnahmen

Die Wuchskraft-Strategie entfaltet ihre maximale Wirkung erst im Zusammenspiel mit weiteren ackerbaulichen Maßnahmen. Eine Stoppelbearbeitung unmittelbar nach der Getreideernte (innerhalb von 48 Stunden) zerstört die Sommerquartiere der Erdflöhe und reduziert die Population im Schlag nachweislich um 30 – 40 %. Die Kombination aus flacher Stoppelbearbeitung (5 – 7 cm) und anschließender Rückverfestigung erzeugt einen Auflauf von Ausfallgetreide und Unkräutern, der als "Ablenkungsfutter" für die ersten zufliegenden Käfer dient. Die eigentliche Rapssaat erfolgt dann in ein sauberes, feinkrümeliges Saatbett mit optimaler Wasserversorgung.

Darüber hinaus zeigt die Praxis, dass eine gezielte Bestandesführung im Herbst die Toleranz weiter erhöht. Ein Wachstumsregler (z.B. Toprex oder Carax) im 4-6-Blatt-Stadium fördert die Wurzelentwicklung und den Wurzelhalsdurchmesser, ohne das Längenwachstum übermäßig zu bremsen. Bei Sorten wie DESPINA und COLUMBIA, die ohnehin eine kompakte Architektur mitbringen, kann der Regler reduziert dosiert werden (0,3 – 0,5 l/ha statt 0,7 l/ha). Die so gestärkte Pflanze übersteht den Larvenfraß im Winter deutlich besser. Ergänzend wirkt eine ausreichende Bor-Versorgung (150 – 200 g/ha Bor als Blattdüngung im Herbst) stabilisierend auf das Zellgewebe und reduziert die Frostanfälligkeit der durch Larvenfraß geschädigten Stängelbereiche.

Fazit: Züchterische Resilienz statt chemischer Abhängigkeit

Der Rapsanbau der Zukunft muss ohne den chemischen Schutzschirm der Vergangenheit funktionieren. Dies erfordert ein Umdenken in der Sortenwahl. Zögerlich wachsende Liniensorten oder schwächere Hybriden haben unter dem aktuellen Erdfloh-Druck keine Überlebenschance. Mit Hochleistungs-Hybriden wie DESPINA, COLUMBIA und KENTUCKY bietet die agaSAAT-Hybrid GmbH den Landwirten eine genetische "Raps-Versicherung". Diese Sorten bringen die nötige Vitalität, Wuchskraft und Kompensationsfähigkeit mit, um den Schädlingsdruck ackerbaulich zu beherrschen und den Ertrag auch unter widrigen Startbedingungen abzusichern.

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